Anführer der Lasso-Bande vor Gericht
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Mit einem Lastwagen rissen sie ganze Bank- und Spielautomaten aus der Halterung und schleppten diese dann mit einem Stahlseil ab. Am Dienstag stand nun der Anführer der gefürchteten Lasso-Bande aus Rumänien vor dem Zürcher Obergericht. Es wird auch Zeit: Viele Jahre lang haben sie die Polizei in der halben Schweiz in Atem gehalten. Um die Fahndung nach den Tätern zu koordinieren, war schon im Jahr 2002 die Sonderkommission "Lasso" gebildet worden. Der Polizeisprecher verglich die perfekte Organisation der Bande nach dem Raub eines Spielautomaten aus einem belebten Lokal mit einem Formel-1-Team während des Boxenstopps.
Meist kamen bei den Coups drei Fahrzeuge zum Einsatz, die zuvor zu diesem Zweck gestohlen worden waren: ein schwerer Lastwagen, um die Halterung des Automaten gewaltsam zum Einsturz zu bringen, ein Zugfahrzeug, um die lädierte Maschine mit einem Stahlseil abzuschleppen – und schließlich ein Lieferwagen, um mit dem erbeuteten Geld zu flüchten. Um an die Spielautomaten zu gelangen, zerbrachen sie oft die Fenster der Kneipe oder des Casinos und zogen die Automaten dann einfach heraus – zweimal sogar während der Öffnungszeiten! Bei den Bankautomaten hatte die Bande gerade mal 90 Sekunden Zeit, um nach dem Auslösen des Alarms ihren Coup vor dem Eintreffen der Polizei durchzuziehen. Das gelang ihnen jedes Mal.
Die Erleichterung war entsprechend groß, als im Oktober 2004 vier Bandenmitglieder in Österreich nach einer wilden Verfolgungsjagd festgenommen werden konnten. "Tresorschlächter nach halbstündigem Nahkampf festgenommen", hieß es da in der entsprechenden Polizeimeldung. Erst einige Monate später wurden die Rumänen dann auch an die Schweiz ausgeliefert. Zwei von ihnen haben nun am Dienstag in einer Berufungsverhandlung vor dem Zürcher Obergericht gestanden, darunter auch der 44-jährige Anführer.
Neben den Diebstählen werden ihnen auch noch einige andere Straftaten zur Last gelegt: vor allem der Diebstahl von so ziemlich allem, was nicht niet- und nagelfest war. Fahrzeuge, Kleider und Nahrungsmittel ließ die Lasso-Gang mitgehen.
In der Gerichtsverhandlung war der Hauptangeklagte geständig, verlangte aber ein gemindertes Strafmaß. Das Bezirksgericht Affoltern hatte die Strafe auf 8 Jahre Freiheitsstrafe festgelegt. Der Rumäne zeigte Reue und bat in seinem Schlusswort, baldmöglichst zu seiner Familie nach Rumänien zurückkehren zu können.
Von der Beute – immerhin 1,1 Millionen Schweizer Franken (etwa 725.000 Euro) – ist längst nichts mehr übrig. Der Bandenführer behauptet, er hätte seinen Teil im Casino verspielt. Ob diese Aussage der Wahrheit entspricht, lässt sich nicht prüfen. Jeder Casino Spieler weiß, dass man nicht einfach so eine große Geldmenge verpulvert, ohne dass es jemandem auffällt. Auf jeden Fall reduzierte das Gericht das Strafmaß wegen der langen Verfahrensdauer und teilweiser Verjährung auf 7 Jahre; immer noch eine hohe Strafe, die der Dreistigkeit der Verbrechen aber durchaus angemessen erscheint.
14-Oct-2009, 12:16









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