Schweizer Casinos gegen Rauchverbot
Rss-
Im letzten Jahr ging der Gewinn der Schweizer Spielcasinos zum ersten Mal in der Geschichte zurück. Und das liegt nicht an der schlechten Wirtschaft – das glaubt zumindest der Casinoverband – sondern am Rauchverbot, das von immer mehr Kantonen eingeführt wird. "Mit dem Rauchverbot gehen die Bruttospielerträge um bis zu 20 Prozent zurück", behauptet Marc Friedrich, Geschäftsführer des Casinoverbandes. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die Eidgenössische Spielbankenkommission: "Dieser Rückgang lässt sich hauptsächlich mit der aktuellen Konjunkturlage sowie den in gewissen Kantonen eingeführten Rauchverboten erklären", heißt es in ihrem Jahresbericht.
Das wollen die Casinos nun nicht länger hinnehmen. Sie fordern, dass der Bund für die Casinos eine pauschale Ausnahmeregelung erlässt. Anlass dazu bietet die "Verordnung zum nationalen Antirauchergesetz", welche derzeit erarbeitet wird. "Die bisherigen Entwürfe sind viel zu restriktiv", meint Friedrich. Eine Ausnahme für Casinos sei gerechtfertigt, da es sich bei den Spielbanken nicht um öffentliche Räumlichkeiten handele (wie zum Beispiel Restaurants), sondern jedes Casino bereits gesetzlichen Zutrittsbeschränkungen unterläge.
Hat der Verband mit seiner Forderung Erfolg, so wäre das Rauchen am Roulette Tisch jedoch nicht auch automatisch gestattet. Das Bundesgesetz besagt nämlich, dass die Kantone trotz allem strengere Regelungen erlassen dürfen. "Wir wissen, dass der Verband mit einer Bundesregelung zumindest in gewissen Kantonen noch nichts gewonnen hat. Aber es ist ein Anfang, der Maßstäbe setzen wird", so Friedrich.
Die Lungenliga dagegen ist der Meinung, dass die Spielbanken in der Raucherfrage überhaupt nichts gewinnen werden. "Wir sind gegen eine Ausnahme für Casinos", sagt Simon Küffer, zuständig für Tabakfragen bei der Lungenliga und Sprecher der Allianz "Schutz vor Passivrauchen". Diese Allianz will nun mit einer Volksinitiative einen einheitlichen gesetzlichen Schutz vor Passivrauchen erwirken. "Nach fünf Monaten sind bereits zwei Drittel der benötigten Unterschriften zusammen", sagt Küffer. Die Allianz will die Initiative so schnell wie möglich einreichen.
"Ziel des Volksbegehrens ist es, Raucherbetriebe und bediente Fumoirs zu verbieten, wie sie heute laut Bundesgesetz zulässig sind", so Küffer. Unbediente Raucherräume sollen erlaubt bleiben – natürlich auch in den Casinos. Bereits acht Kantone haben Verordnungen erlassen, die mit diesem Entwurf vereinbar wären. Die restlichen Kantone haben entweder noch kein Gesetz verabschiedet oder erlauben bediente Raucherbereiche. Diese müssten dann laut Gesetz ihre Bestimmungen binnen Jahresfrist anpassen.
Die Chance, dass der Casinoverband mit seiner Forderung nach einer Ausnahmeregelung durchkommt, ist ohnehin fraglich, insbesondere da der Jahresbericht deutlich zeigt, dass die Einnahmen gleichmäßig zurückgegangen sind – unabhängig davon, ob das betreffende Kanton das Rauchen zulässt oder verbietet. Daher sollten sich die Schweizer Spieler in Zukunft wohl eher auf einen rauchfreien Casinobesuch einstellen.
30-Oct-2009, 15:04









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