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Gibt es mehr Online Glücksspiel in der Wirtschaftskrise?

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GamblingPlanet.org geht heute einmal einer Frage nach, die uns immer wieder gestellt wird: Hat die schlechte Wirtschaftslage der letzten Jahre eigentlich das Spielverhalten der Spieler beim Online Glücksspiel verändert? Haben Online Casinos Verluste gemacht, oder war ihnen die Krise egal? Es gibt eine Menge Meinungen zu diesem Thema, von denen viele leider nicht sehr objektiv sind, da sie von den Casinos selbst oder von anderen Organisationen, die ausdrücklich für oder gegen das Online Glücksspiel arbeiten, angefertigt wurden. Woher also verlässliche Zahlen bekommen? Nun, glücklicherweise gibt es in unserem wundervoll bürokratischen Staat eine Einrichtung, die nichts anderes zu tun hat, als alle möglichen Zahlen, Daten und Fakten zu sammeln: das statistische Bundesamt. Ich habe mich für euch durch eine schier endlose Zahl an Warteschleifen und nicht zuständigem Personal telefoniert, bis ich schließlich bei Herrn Peter Norski gelandet bin, der mir alle meine Fragen beantworten konnte.

Online Glücksspiel in der WirtschaftskriseGP: Herr Norski, wie hat sich das Online Glücksspiel in der Wirtschaftskrise entwickelt?

Norski: Im Gegensatz zu den echten Casinos hat sich das Online Glücksspiel trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage der letzten zwei Jahre positiv entwickelt. Das Wirtschaftssegment Online Glücksspiel und Internet Wetten hat einen Zuwachs von knapp 17% im Jahr 2008 erfahren. Die Zahlen für dieses Jahr sehen etwas schlechter aus – wir erwarten einen Gesamtzuwachs von etwas 12% für 2009.

GP: Das heißt, es wurde mehr gespielt?

Norski: Ja, das ist richtig.

GP: Hat das mit der Wirtschaftslage zu tun?

Norski: Nein, das ist unwahrscheinlich. Das Online Glücksspiel Segment verzeichnet seit 2004 beständiges Wachstum. Wir betrachten hier also ein Phänomen, das weit älter ist, als die Wirtschaftskrise. Tatsächlich ist das Wachstum in den wirtschaftlich schlechten Jahren zurückgegangen. Meiner Meinung nach hat der Anstieg daher nichts mit der schlechten Wirtschaft, sondern eher mit dem allgemeinen Glücksspiel- und Poker Boom zu tun.

GP: Der Glücksspiel Boom hält also an?

Norski: Im Internet auf jeden Fall. Wie bereits gesagt, mussten dafür die normalen Casinos zum Teil herbe Verluste hinnehmen. Reine Pokerveranstaltungen laufen da etwas besser, aber der Wachstum im Web wird nicht erreicht. Unsere Zahlen beziehen sich nur auf deutsche Spieler, die Zahlen sind schlechter, als zum Beispiel die in der Schweiz. Das liegt vor allem am neuen Glücksspielvertrag, der das Wachstum zusätzlich gebremst hat.

GP: Glauben Sie, dass das gut oder schlecht ist?

Norski: Ich selbst habe da keine Meinung zu. Der einzige, der bei uns zu Hause pokert, ist mein Sohn und der spielt nicht um Geld.

GP: Betrachten wir das Ganze mal von einer anderen Seite. Wie sieht es mit den Spielsüchtigen aus?

Norski: Spielsucht ist für uns hier schwer zu erfassen. Schätzungen liegen hier zwischen 200.000 und 400.000 Spielsüchtigen in Deutschland – Tendenz steigend.

GP: Ist die Zahl in den letzten zwei Jahren stärker gestiegen?

Norski: Soweit wir sagen können, nein. Auch hier ist die Zahl konstant gestiegen, im Einvernehmen mit der gestiegenen Spielerzahl.

GP: Es gibt also keinen Anhaltspunkt, dass die schlechte Wirtschaft Spielsucht begünstigt?

Norski: Zumindest nicht in ausschlaggebenden Maße, nicht soweit wir das sagen können. Bei einer Toleranz von 200.000 Süchtigen kann sich ein marginaler Anstieg allerdings in der Dunkelziffer verbergen. Dazu müßte man genauere Studien anstellen.

GP: Gibt es gefährlichere und weniger gefährlichere Casino Spiele?

Norski: Unsere Statistik zeigt auf, dass 63% der Süchtigen an Spielautomaten hängen. Nur 4,8% geben Poker als ihre Droge an.

GP: So wenige Süchtige trotz Poker Boom?

Norski: Ich kann hier nur Vermutungen anstellen. Wahrscheinlich ist Poker nicht schnell genug, nicht befriedigend genug. Die Süchtigen suchen schnelle, intensive Befriedigung. Spielautomaten sind da genau richtig. Ein Pokerspiel kann Stunden dauern, da bleibt der schnelle Kick aus.

GP: Herr Norski, ich danke für das Gespräch.

[Lars Eggers]

20-Nov-2009, 06:28

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