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Unsoziales Glücksspiel

24-Jul-2008, 08:38

Eine neue Studie sieht im Lotto vor allem den Versuch des Staates, armen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.Wer regelmäßig am Mittwoch- und Samstagabend vor dem Fernsehgerät sitzt und gebannt die Ziehung der Lottozahlen verfolgt, wird es längst vermutet haben: Beim Lottospielen gewinnen fast immer nur die Anderen.

Wie ungerecht diese Glücksspiel um die richtigen sechs aus 49 Ziffern wirklich ist, haben nun zwei Forscher des Kölner Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung untersucht. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Lotto sogar noch sehr viel unsozialer ist, als der Gelegenheitsspieler auf den ersten Blick meinen könnte. Unter anderem läge dies daran, dass der Studie zufolge Lottospieler tendenziell aus den unteren Mittelschichten stammen, über ein geringeres Bildungsniveau verfügen, ein höheres Alter aufweisen oder ethnischen Minderheiten angehören, während umgekehrt die Nutznießer der staatlichen Lottoförderung in der Regel eher in den höheren Einkommens- und Bildungsschichten zu finden sind.

Der Studie zufolge geben zum Beispiel Bürger, die zum unteren Einkommensfünftel in Deutschland gehören, rund 3 Prozent ihres verfügbaren Einkommens eines jedem Monats für die Teilnahme an Lotterien aus. Am oberen Ende der Einkommensskala beträgt die Ausgabenquote für diese Glücksspielart hingegen nur 1 Prozent. Da rund 39 Prozent des Spieleinsatzes an den Staat gehen, tragen die Bezieher niedriger Einkommen wesentlich stärker zu den staatlichen Einnahmen aus dem Glücksspiel bei, als alle anderen Bevölkerungsgruppen. „Lotterien stellen damit eine Form der regressiven Abgabenbelastung da“, so die Forscher. „Es findet eine Umverteilung von unten nach oben statt.“

Insgesamt nimmt der Staat aus Glücksspielen etwa fünf Milliarden Euro pro Jahr ein, was 1,1 Prozent der Steuereinnahmen entspricht. Rund die Hälfte dieses Geldes, das größtenteils den Ländern zugute kommt, stammt aus dem Lottospiel. Etwa 20 Prozent dieser Lottoeinnahmen wiederum fließen in Kunst- und Kulturprojekte oder in die Förderung des Breitensports.

Damit allerdings kommen viele Angebote, die von dem Lottogeld gesponsert werden, nicht unbedingt jenen zugute, die sie zum größten Teil finanziert haben. So weisen die Forscher nach, dass Nicht-Lottospieler etwa von der Förderung des Breitensports sehr viel stärker profitieren als jene, die regelmäßig ihrer Spielsucht frönen. Die Umverteilung durch das Lotteriespiel werde dadurch noch verstärkt, heißt es in der Studie weiter.

Um das zu vermeiden, schlagen die Wissenschaftler unter anderem vor, den Jackpot zu senken und dadurch den Spielanreiz beim Lotto zu verringern. Auch könnten mehr als die ausgezahlten 48 Prozent der Einsätze wieder als Gewinne an die Spieler ausgeschüttet werden. Vor allem aber könnten staatliche Einnahmen aus dem Glücksspiel „gezielt zur Förderung der Bevölkerungsgruppen genutzt werden, die hauptsächlich Lotto spielen“. Dazu zählt für die Experten etwa die finanzielle Unterstützung von Bildungsangeboten für sozial benachteiligte Schüler.

Quelle: Die Welt

 

 



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