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Ausstellung „Volles Risiko“ in Karlsruhe

21-Jul-2008, 05:20

Die Ausstellung „Volles Risiko“ im Karlsruher Schloss beleuchtet das Glücksspiel von der Antike bis heute.„Wie glücklich würde sich der Affe schätzen, könnt er nur auch ins Lotto setzen,“ spottet Fausts Mephisto in der Hexenküche. Der Zweizeiler wäre eine äußerst ambivalente Werbung für das Lotto. Das Vergnügen am Spiel, die Hoffnung auf eine Glückssträhne - dies könne zur Sucht werden und erzeuge miese Charaktere, wovor Moralisten schon seit der Antike warnen. Wenn Cicero vor Gericht Verres oder Catilina „Aleator“ (Hasardeur, Würfler) nannte, war das natürlich beleidigend gemeint. Die verschiedensten Aspekte des „Glücksspiels von der Antike bis heute“ werden nun in der Ausstellung „Volles Risiko“ im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe beleuchtet.

Sponsor der Ausstellung ist die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg. Baden-Württemberg war das letzte Bundesland, das das Verbot von Glücksspiel (und somit auch Lotto) aufhob. Es wollte nämlich nicht länger dabei zusehen, wie die Landeskinder die Lottoscheine nach Hessen oder Bayern trugen. Das wird in der Ausstellung mit leiser Ironie erwähnt. Und die Ausstellung verschweigt auch nicht, dass das Bindestrichland mit Baden-Baden ein klassisches Spieler- und Wetterbe sein Eigen nennen darf, da der Kurort während der Saison von dem Verbot ausgenommen wurde, mit dem 1767 jegliches Würfel- und Kartenspielen um Geld verboten wurde.

Doch die Ausstellung beschränkt sich nicht nur auf die lokalpatriotischen Aspekte, sondern deutet auch an, wie in der Antike gespielt wurde. Sie widmet sich auch dem Mittelalter in seinem Schwanken zwischen Spielteufel und Höllenangst. Sie lässt außerdem jenes Kapitel der folgenden Jahrhunderte nicht aus, das Riccaut de la Marlinière in Lessings „Minna von Barnhelm“ elegant mit der längst zum Sprichwort avancierten Formulierung „Corriger la fortune“ umschreibt. Und sie vergisst darüber nicht das Loben von Toto und Lotto als wohlgeordnete, brav kontrollierte Institution zum Nutzen der Allgemeinheit.

Natürlich widmet man sich auch den diversen Statistiken über die Gewinnchancen. So wird der gängigen Behauptung, es sei weitaus wahrscheinlicher vom Blitz getroffen zu werden, als beim Lotto Millionär zu werden, entgegengehalten, dass 2005 und 2006 in Deutschland nur sechs Leute von Blitzen getötet worden wären, während zur selben Zeit 902 Menschen einen Sechser erzielen konnten. Und wenn dann ins Feld geführt wird, diese Chance betrage nach mathematischen Regeln lediglich 1 zu 14 Millionen, bleibt die hübsche Antwort, die ein Chinese einem Westler nach langatmigen Erklärungen der Wahrscheinlichkeit gegeben haben soll: „Wieso soll meine Chance 1 zu 14 Millionen sein? Sie ist fifty-fifty: Entweder ich gewinne oder ich verliere.“

Badisches Landesmuseum, Karlsruhe: „Volles Risiko“, noch bis zum 17. August.



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