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Quo vadis Poker?

03-Feb-2008, 12:40

Pokern war hierzulande noch vor ein paar Jahren ein fast unbekanntes Spiel. Es wurde allenfalls mit verräucherten Saloons aus Wild-West-Filmen in Verbindung gebracht.

Aus den deutschen Spielbanken war das Pokerspiel komplett verschwunden, in Österreich wurde lediglich in kleineren Card Clubs gepokert. Für die deutsche Bevölkerung war das Pokerspiel so gut wie nicht existent und kurz davor, komplett in der Versenkung zu verschwinden.

Vorreiter DSF

Im Jahre 2005 jedoch begann der Fernsehsender DSF mit der Übertragung von Pokerturnieren und legte einen Grundstein für einen nicht zu erwarten gewesenen Boom des Pokerns.

Weitere Nischensender wie Eurosport folgten und schließlich begannen auch die großen Fernsehsender, eigene Pokerformate zu entwickeln. Den Durchbruch bei der breiten Masse schaffte Pokern dank Entertainer Stefan Raab: Bei der Stefan Raab-Pokernacht auf Pro7 traten zahlreiche Prominente zusammen mit einem Online-Qualifikanten gegeneinander an. Die Online-Qualifikation kann über die Seiten des Medienpartners Pokerstars in zahlreichen Ausscheidungsturnieren erlangt werden und schuf so weiteres Interesse am Internet-Poker.

Die Medien informierten ausführlich über das Pokerspiel und erste Pokerschulen boten entsprechende Kurse an. Die ersten deutschsprachigen Pokerbücher wurden publiziert, zahlreiche deutschsprachige Poker-Informationsseiten wie z. B. Mr-Poker.net erklärten die Pokerregeln und bewerteten die unterschiedlichen Pokeranbieter auch in deutscher Sprache.

Pokermagazine?

Pokerzeitschriften sucht man aktuell meistens vergeblich, wenn man nicht von schlechten Übersetzungen enttäuscht werden will. Aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann auch diese Lücke geschlossen wird. Pokersets kann man mittlerweile überall kaufen, auch als Werbegeschenke erfreuen sie sich zunehmender Bedeutung.

Auch in den staatlichen Spielbanken trägt man dem Pokerboom mittlerweile Rechnung und hat die verstaubten Pokertische wieder hervorgeholt. Die Pokerturniere in den staatlichen Spielbanken sind fast immer ausverkauft – die Spielbanken freuen sich über die neu gewonnenen Zielgruppen.

Doch das Pokern um Geld gilt in Deutschland als Glücksspiel. Glücksspiele sind allein dem Staat vorbehalten und dürfen ausschließlich in den staatlichen Spielbanken angeboten werden. Einzig die Spielbank Wiesbaden besitzt in Deutschland die Berechtigung, ein Onlinecasino zu betreiben. Die Teilnahme ist allerdings ausschließlich der hessischen Bevölkerung vorbehalten.

Neben den staatlichen Spielbanken gibt es mittlerweile mehr als 100 Veranstalter von privaten Pokerturnieren, die in Diskotheken und Kneipen stattfinden. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass bei diesen Turnieren nicht um Geld gespielt werden darf. Der Buy-In bei diesen Turnieren darf maximal € 25 betragen und es dürfen nur Sachpreise ausgelobt werden.

Dennoch erfreuen sich diese Turniere einer sehr großen Beliebtheit und werden von Online-Pokerräumen zunehmend als Werbemöglichkeit erkannt.

GPPA

Die German Poker Player Association (GPPA) als Zusammenschluss deutschsprachiger Pokerspieler organisiert ebenfalls private Pokerabende und fördert die deutsche Poker-Bundesliga.

Nach Schätzungen der GPPA gibt es in Deutschland mehr als 5 Millionen Pokerspieler. Durch die Online-Qualifikation für die Stefan Raab Pokernacht bei Pokerstars gewinnt das Internet-Poker zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Pokeranbieter haben ihre Webseiten und Pokersoftware in deutscher Sprache angeboten und den Pokerboom in Deutschland weiter gefördert.

Besonders im deutschen Fernsehen werden Pokerseiten sehr intensiv beworben. Weil in Deutschland die Werbung für illegales Glücksspiel verboten ist, werden die rechtlich legalen Pokerschulen beworben. Dies sind die entsprechenden .net-Angebote oder die deutschsprachigen Internetseiten, bei denen auf die Möglichkeit des Echtgeldspiels nicht explizit hingewiesen wird.

Durch die Schwierigkeiten auf dem US-amerikanischen Markt widmen sich die Pokeranbieter verstärkt dem europäischen Markt. In der Regel wurde wegen der sprachlichen Nähe als erstes der englische Markt angegriffen. Doch wer für seine Pokerangebote den europäischen Markt erschließen will, muss sich mit vielen nationalen Besonderheiten auseinandersetzen.

Deutschsprachige Anbieter

Dazu gehört mindestens das Angebot einer deutschsprachigen Webseite und „deutsche“ Pokersoftware, will man in den deutschen Markt einsteigen.

Weltweit sprechen zwar knapp 130 Millionen Menschen deutsch, aber es gibt dennoch feine Unterschiede zwischen Deutschen, Österreichern, Liechtensteinern und Schweizern. In der Neukundengewinnung und im Marketing werden bei den meisten Pokeranbietern noch die nationalen Besonderheiten ignoriert. In der Regel werden die englischsprachigen Kampagnen 1:1 übersetzt und treffen so nur selten den Geschmack der deutschsprachigen Zielgruppe. Einen wesentlichen Unterschied gibt es im deutschsprachigen Markt auch bei den Bezahlverfahren. Während in Deutschland und Österreich die Lastschrift das wichtiges Bezahlverfahren ist, so spielt in Österreich auch die Paysafecard eine wichtige Rolle. In der Schweiz hingegen wird vorwiegend per Kreditkarte bezahlt, die Lastschrift hat hier kaum Bedeutung.

Einzig Pokerstars und Bwin bieten auf ihren Internet-Seiten für die Einzahlung das in Deutschland weit verbreitete Lastschriftverfahren an. Dass dies nicht mehr Pokerseiten machen, ist deshalb verwunderlich, weil nur 20% der Deutschen über eine Kreditkarte verfügen und 80% aller Internetzahlungen per Lastschrift vorgenommen werden – Pokeranbieter, die auf dem deutschen Markt erfolgreich agieren wollen, müssen daher auch Einzahlungen per Lastschrift oder per Online-Überweisung anbieten.

Der durchschnittliche Pokerspieler

Nach vorsichtigen Schätzungen gibt es im deutschsprachigen Raum zwischen einer halben und einer Million Pokerspieler, die auch im Internet pokern.

Der durchschnittliche Pokerspieler in Europa ist männlich (73,8%) und zwischen 26 und 35 Jahren alt. In Deutschland ist der Anteil der Frauen höher (32%) als im europäischen Durchschnitt. Die stärkste Altersgruppe wird in Deutschland von den 35- bis 54-jährigen gebildet. Der durchschnittliche Pokerspieler spielt in Deutschland zwei bis drei Mal pro Woche und ist dann zwischen ein bis zwei Stunden – vorwiegend in den Nachtstunden – im Netz.

Pokerboom setzt sich fort

Der anhaltende Pokerboom trifft zunehmend auf Widerstand der Ordnungsbehörden. Die privaten Pokerturniere werden regelmäßig daraufhin überprüft, dass keine Echtgeld-Spiele stattfinden und der Buy-In die rechtliche Grenze nicht übersteigt.

Die Fernsehsender werden angehalten, dass die Pokerwerbung sich ausschließlich auf die Pokerschule bezieht und es keinerlei Verweise auf die Echtgeldseiten gibt.

Sogar bei Google Deutschland kann der Begriff Poker nicht mehr gebucht werden, selbst neutrale Begriffe wie „Pokerschule“ werden erst nach umfangreicher Prüfung der Zielseite freigegeben.

Noch schwieriger ist es für Internet-Poker-Anbieter seit dem 01. Januar 2008, denn in Deutschland ist die Internet-Werbung für Glücksspiel generell verboten. Dann ist Kreativität gefragt, die Kampagnenstrategien für das Internet müssen überdacht werden: Reines Media- und Keyword-Marketing auf deutschen Internetseiten wird an Bedeutung verlieren, das Affiliate-Marketing hingegen zunehmen.

Die meisten Poker-Anbieter haben für das deutschsprachige Affiliate-Marketing allerdings noch einen großen Nachholbedarf. Neben den dürftigen deutschsprachigen Marketingunterlagen vermisst man einen deutschsprachigen Affiliate-Support. Auch die angebotenen Kampagnen lassen oft noch erheblich zu Wünschen übrig.

Deutscher Pokerkongress

Mit den Besonderheiten des deutschsprachigen Pokermarktes beschäftigt sich ein Pokerkongress (www.pokerkongress.com), der Ende Oktober in Frankfurt stattfinden wird. Der Veranstalter Dow Jones gewährleistet, dass zahlreiche Medienvertretern die Möglichkeit nutzen, sich mit Pokeranbietern und Branchenvertretern auszutauschen. Aber auch für Affiliates ist das Event eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich über die Angebote der Pokeranbieter zu informieren.

Quelle: LeinertConsult



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