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Vorfreude ist tatsächlich die schönste Freude. Die Erfüllung eines Wunsches, z. B. der Kauf eines neuen Maseratis oder der große Gewinn beim Pokerturnier, machen dagegen höchstens drei Wochen glücklich. Das zumindest behaupten Glücksforscher. Die alte Weisheit, dass Geld nicht glücklich macht, stimmt aber trotzdem nicht. Besonders wichtig für das Glück sind Freunde, Familie und natürlich der Lebenspartner.
Nach Reichtum streben nicht alle und auch nicht nach Schönheit und Erfolg. Aber glücklich wären wir alle gern. Doch was heißt schon Glück?
Das Glücksempfinden von Menschen sei mit den getrennten Systemen von Belohnung und Belohnungserwartung verbunden. Dabei ist die Vorfreude tatsächlich die schönste Freude. Die Erfüllung mache dagegen nur glücklich, wenn sie unerwartet und verdient sei – sonst werde sie nicht als Belohnung empfunden. Das könnte erklären, warum ein Lottogewinn häufig kein Freifahrschein ins Glück ist. Er kommt zwar unerwartet, aber unverdient. Hätte das bloß die Britin Viv Nicholson gewusst, die heute als Urbild aller Lotteriegewinner aus kleinen Verhältnissen gilt. 1961 gewann sie bei Fußballwetten 151.000 Britische Pfund, was heute gut sieben Millionen Euro entspricht. Nach dem Motto: „Alles ausgeben, ausgeben, ausgeben“ brachte sie das ganze Geld durch.
Aber nach einer gewissen Zeit hat man das Gefühl, als hätte man schon immer in so einem Auto gesessen und das Glück ist weg. In einem sind sich die Forscher einig: Befriedigende soziale Beziehungen – Freunde, Familie, Partner, ja selbst freundlich grüßende Nachbarn – sind besonders wichtig für das Glück. Der Grund: Materielle Dinge, aber auch Erfolg bei der Arbeit und Lob vom Chef verlieren bei Wiederholung ihre aufmunternde Wirkung. Das Gehirn winkt dankend ab: Hatten wir schon. Die Ausnahme sind befriedigende soziale Kontakte. Die machen immer wieder Freude und fühlen sich gut an. Deshalb nützt auch der größte materielle Gewinn nichts, wenn man keine befriedigenden sozialen Kontakte hat. Reiche Bürger sind glücklicher als arme? Die alte Erkenntnis, dass Geld nicht glücklich macht, scheint aber dennoch nicht zu stimmen. In einer europäischen Vergleichsstudie erwiesen sich die befragten Bürger der reichsten EU-Mitgliedsstaaten als deutlich glücklicher als die der ärmsten. Am glücklichsten sind demnach die Dänen im Norden, am unglücklichsten hingegen die Bulgaren in Südosteuropa. Das könnte auch daran liegen, dass ein funktionierender öffentlicher Dienst, geringe Korruption und die Möglichkeiten zu demokratischer Partizipation die Lebenszufriedenheit erheblich erhöhen.
Aber das kann es allein nicht sein? Besonders unglücklich mache Arbeitslosigkeit. Und schließlich ist die Generationenfolge nicht zu vernachlässigen. Eltern geben ihre Glücksfähigkeit an ihre Kinder weiter, im schlechtesten Fall können sie diese aber auch zerstören.
In den angelsächsischen Ländern hat man da weniger Bedenken. Es gibt sogar eine eigene akademische Fachrichtung, die „positive Psychologie“. Einer ihrer Vordenker, Tal Ben-Shahar von der Elite-Universität Harvard, hat eine Formel entwickelt: ein Dankbarkeits-Tagebuch. Man sollte sich jeden Abend fünf Dinge notieren, für die man dem Tag danken könne. Das kann die nette Verkäuferin im Supermarkt sein, der liebe Anruf der Partnerin oder das Kind, das seine Krankheit überstanden hat. Eine Studie der Universität Miami hat bereits 2002 herausgefunden, dass der Zusammenhang zwischen dem Empfinden von Dankbarkeit und Glück statistisch eindeutig belegt ist. Einfach mal ausprobieren.
Aber Vorsicht: Bloß nicht dem Glück nachjagen! Menschen, die ständig nach dem Glück suchen, werden auf jeden Fall unglücklich.