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Die Welt der Sportwetten war – und wird es wahrscheinlich auch immer sein – ein ganz besonderer Anziehungspunkt für Trickser und Schummler. Die Aussicht, Spiele und die Ergebnisse zu manipulieren und am Ende mit Hilfe von Wetten abzusahnen, scheint für viele dieser Sorte Mensch einfach zu verlockend. Das heißt natürlich nicht, dass der gesamte Sportwettensektor mit Betrügern verseucht ist. Es ist vielmehr so, dass die meisten Schummeleien früher oder später entdeckt werden. Denn wenn sich bestimmte Quoten unverhältnismäßig stark erhöhen, werden Ermittler schnell hellhörig. Warum wurde soviel Geld auf eine Mannschaft gesetzt, die dafür bekannt ist, stets zu verlieren? Damit ist die Gefahr, beim Schummeln erwischt zu werden, sehr hoch. Auch wenn sich gewisse Dinge manipulieren lassen, die statistischen Rechnungen eines Computers kann man nicht übers Ohr hauen. Denn jeder Versuch, das System hinters Licht zu führen, führt zu einem Ausschlag bei der Vorkontrolle von Sportwetten.
Hier sind einige Beispiele aus der ganzen Welt wie Menschen versuchten, Ergebnisse zu manipulieren:
Vor einigen Jahren flog die geplante Manipulation der Flutlichter im Charlton Athletic`s Stadion in Großbritannien auf. Eigentlich ist die englische Premier League dafür bekannt, immun gegen Hochstapler und Schwindler zu sein. Umso überraschender war es, als man bemerkte, dass eine ausländische Gruppe versuchte, die Spiele illegal zu beeinflussen. Die Beschuldigten gehörten zu einem Verbrecherkartell aus dem asiatischen Raum, das versuchte, Millionen mit der Beeinflussung von Spielen der ersten Liga zu verdienen.
Dieses Kartell versuchte schon seit längerem, die Spiele in Großbritannien zu manipulieren. Normalerweise werden solche Unregelmäßigkeiten bei den Wetteinsätzen relativ schnell erkannt. Das Problem in diesem Fall bestand aber darin, dass die Wetteinsätze in Asien getätigt wurden und somit in Europa nicht auffielen und damit bemerkt worden waren.
Das System war ausgeklügelt: Man setzte bis zum Beginn der 2. Halbzeit auf die Mannschaft, die in Führung lag. Wenn das gewünschte Ergebnis eingetroffen war, wollte man die Flutlichter im Stadion so manipulieren, dass dies zum Spielabbruch führt. Als man in Großbritannien den Betrügern auf die Schliche kam, spielte gerade Liverpool. Man wollte dieses Spiel so manipulieren, dass schließlich die „defekten“ Flutlichter zum Spielabbruch führen würden. Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass dabei ein Gewinn von mehr als 20 Millionen Euro für die Gauner entstanden wäre.
Am Ende zahlten sich diese Gaunereien jedoch nicht aus. Die britische Polizei konnte zwei Malaien für sich gewinnen, die die nächsten Spiele manipulieren sollten. Dabei wurde entdeckt, dass auch der Sicherheitschef geschmiert worden war. Er erhielt ungefähr 20.000 Britische Pfund, um den Gangmitgliedern Zugang zu den sensiblen Techniken im Stadion zu verschaffen.
Der Markt für Fußballwetten ist gigantisch, ganz besonders in Asien. Aber auch in anderen Teilen der Erde vermischt sich kriminelle Energie mit Fußball. Manchmal leider sogar tödlich.
Manche Fehler können teuer und manchmal auch tödlich sein. Ein kolumbianischer Fußballspieler musste dies leidvoll erfahren. Es war die Fußballweltmeisterschaft 1994, die ihm zum Verhängnis wurde. Das kolumbianische Team war im Verlauf des Turniers sehr erfolgreich und man hoffte in Kolumbien auf mehr. Man wird sich in diesem Zusammengang immer an Andres Escobar, einen 27jährigen Verteidiger, erinnern. Kolumbien verlor das Spiel gegen die USA mit 1:2. Escobar war dafür verantwortlich, denn Kolumbien verlor nur wegen eines Eigentors, das Escobar unglücklich in das eigene Tor lenkte. Das bedeutete das Aus für Kolumbien. Schon während Kolumbien im Turnier spielte, bekam der Trainer der kolumbianischen Mannschaft regelmäßig Morddrohungen. Der Druck, der auf der kolumbianischen Mannschaft lag, war schon zu Anfang der Weltmeisterschaft riesengroß und wurde im Verlauf noch stärker.
Die Enttäuschung nach Kolumbiens Ausscheiden war natürlich riesengroß. Escobar wurde beim Verlassen eines Nachtclubs erschossen. Zeugen berichteten, dass der Schütze bei jedem Schuss „Tor!“ gebrüllt haben soll.
Ein vietnamesisches Gericht verurteilte zwei Ex- und sechs derzeitige Nationalspieler zu langjährigen Gefängnisstrafen. Sie waren angeklagt, 2005 ein Spiel gegen Myanmar (Birma) bei den Südostasiatischen Meisterschaften manipuliert zu haben.
Man hatte entdeckt, dass acht Spieler bestochen worden waren, das Spiel mit Absicht zu verlieren. Dabei waren die Vietnamesen klare Favoriten bei diesem Spiel. Dementsprechend hoch waren die Gewinnquoten auf einen Gewinn der Burmesen. Nachdem die Vietnamesen dieses Spiel verloren hatten, wunderten sich nicht nur die Zuschauer über die sehr überraschende Niederlage. Die Folge war, dass es eine groß angelegte Untersuchung des Spiels und seiner Umstände gab. Dabei fand man dann genügend Beweise für die Manipulation des Spiels. Die Folge war die Verurteilung einiger Spieler, die nun bis zu 6jährige Haftstrafen absitzen müssen.
Jedoch auch in Italien ist der heilige Sport „Fußball“ in Wettskandale und Manipulationen verstrickt (gewesen). Juventus Turins zurückgetretenem Manager Luciano Moggi wird zum Beispiel eine systematische Manipulation der Fußball-Meisterschaft 2004/2005 zu Gunsten des italienischen Meisters vorgeworfen. Mit Hilfe korrupter Schiedsrichter soll der sehr bekannte Manager die italienische Liga beeinflusst haben.
Den ehemaligen Schiedsrichter-Koordinatoren Paolo Bergamo und Luigi Pairetto soll Moggi zum Beispiel vorgeschrieben haben, welcher Schiedsrichter die Juve-Spiele pfeift. Dazu sollen die beiden Koordinatoren sogar die öffentliche Ziehung manipuliert haben.
Auch offene Gewalt und Drohungen schienen ebenfalls zu Moggis Repertoire zu gehören: Schiedsrichter Gianluca Paparesta sperrte Moggi nach Juves 1:2-Niederlage bei Reggina Calcio in der vergangenen Saison in der Kabine ein. Der Unparteiische war Moggi wohl zu neutral gewesen. Den Schlüssel der Kabine habe er dann weggeworfen, erzählte Moggi in einem Telefongespräch, das Fahnder aufzeichneten.
Moggi soll dabei seine Machtposition als Manager beim italienischen Rekordmeister Juventus ausgenutzt haben. Regelmäßig soll Moggi auch Spielertransfers beeinflusst haben. Dabei soll er Gegnern vorsätzlich geschadet haben.
Einige Schiedsrichter sollen von Moggi Anweisungen bekommen haben, welche Spieler sie mit gelben Karten für die nächsten Spiele außer Gefecht setzen sollten. So soll Moggi die nächsten Juve-Gegner gezielt geschwächt haben.
Der Fußball-Wettskandal 2005 gilt als die größte Affäre im deutschen Fußball seit dem Bundesliga-Skandal in der Saison 1970/71, als zahlreiche Spieler, Trainer und Funktionäre an Spielverschiebungen beteiligt waren.
Robert Hoyzer, eine der Hauptpersonen in diesem Skandal, gab zu, Spiele der 2. Fußball-Bundesliga, des DFB-Pokals und der Fußball-Regionalliga so manipuliert zu haben, dass die erwünschten Ergebnisse eintrafen, auf die vorher Wetten abgeschlossen worden waren. Spiele aus der Fußball-Bundesliga waren nicht betroffen. Darüber hinaus beschuldigte Robert Hoyzer weitere Schiedsrichter und Spieler, in den Skandal verwickelt zu sein.
Eine Vorsperre erhielt ebenfalls der Zweitliga-Schiedsrichter Dominik Marks. Der DFB sah es als erwiesen an, dass Marks zwei Spiele aus der Regionalliga und der 2. Bundesliga manipuliert hat. Laut Robert Hoyzer habe Marks die Partien verschoben und dafür 6.000 Euro von kroatischen Auftraggebern kassiert. Die von Marks geleitete Regionalliga-Partie Hertha BSC Amateure gegen Arminia Bielefeld Amateure musste deswegen wiederholt werden.
Robert Hoyzer wurde schließlich zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Da er die Wetten zusammen mit drei Mittätern ausgeführt haben soll, wurde ihm banden- und gewerbsmäßiger Betrug angelastet.